Im April 1915 wurde mit dem R-Typ unter der Federführung von Dr. Arnstein, eine völlig neue Zeppelin-Konstruktion begonnen. LZ 62 (L 30) war der Prototyp eines "Großkampftyps", der von den Engländer "The Super-Zeppelin" genannt wurde. Die im bisherigen Kriegseinsatz gemachten Erfahrungen flossen in die Entwicklung der Zeppeline Typ R, LZ 62 ein. Der R-Typ war eine Verbesserung der Zeppelin Typen 22 P- und 12 Q-, die zur Verfügung standen. Der R-Typ war die einzige wirkliche Neukonstruktion während des Krieges während alle anderen Zeppelin Typen lediglich weiterentwickelt bzw. nur verbessert wurden.


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L30 landet im Luftschiffhafen von Tondern


L 30 war ausgerüstet mit sechs Sechszylinder-Maybachmotoren vom Typ HS.Lu, mit einer Leistung von je 240 Ps verteilt auf sechs Lorenzen-Holzluftschrauben mit 5,5 m Durchmesser und einer Steigung von 3,65 m. Die Propeller befanden sich am Heck der vorderen Führer-Maschinengondel, an den Seitengondeln, am Heck der hinteren 3-Motoren-Gondel, sowie an den beiden Auslegern. Der Treibstoffvorrat belief sich auf 15.828 Liter Treibstoff, der in 54 Abwurfbenzinfässern untergebracht war, davon 14 in Fallbenzinfässern. Die Fallbenzinfässer waren so aufgehängt, dass eine Versorgung der Motoren bis zu einer Neigung von 30° des Luftschiffes möglich war.


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Motorgondel von L30


Zur Standortbestimmung durch Funkpeilung und zur Verständigung untereinander bei Geschwaderangriffen befand sich an Bord eine Funkstation der Firma Telefunken. Diese Anlage hatte eine Antennenenergie von 800 W, womit eine Reichweite von 1.500 km erreicht werden konnte. Die Antenne bestand aus drei unabhängigen Drähten mit einer Länge von 120 m, die an ihren Enden durch stromlinienförmige Gewichte beschwert wurden. Die ganze Funkanlage inklusive Generatoren, Leitungen und Zubehör wog 485 kg.

Die Abwehrbewaffnung bestand aus 10 Maschinengewehren von Typ 08/15 mit gekürztem Lauf und Wasserkühlung. Drei befanden sich auf der Bugplattform, je zwei in der Führer- und in der Heckgondel und je eines in den beiden Seitengondeln und im Heckstand, unmittelbar hinter dem Leitwerk. Die Bombennutzlast lag bei maximal 7.600 kg, verteilt auf 8 Sprengbomben zu je 300 kg, 40 Sprengbomben zu je 100 kg und 120 Brandbomben zu je 10 kg. Diese Nutzlast war natürlich stark abhängig von der verlangten Reichweite und vom Gasauftrieb, der je nach Wetterlage variierte.


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Obere Bugplattform mit Abwehr-MGs


Rettungseinrichtungen gab es so gut wie keine, und nur einige Heeresluftschiffe führten Fallschirme mit, da sie sich weniger oft über dem Wasser befanden. Bei Aufnahmen der ersten R-Typ-Zeppeline sind auf dem First oder unter dem Kiel befestigte Schlauchboote zu sehen. Zu welchem Zweck diese dienen sollten, ist nicht genau bekannt. Der Tarnanschtrich der Luftschiffe des R-Typs (bevor sie zum Teil die schwarze Nachttarnfarbe erhielten) war grau und nicht gelb-braun, wie sie in vielen Publikationen dargestellt wurden. Auch die Gondeln waren grau und nicht silbern, den die gesamte Oberfläche war gestrichen.


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L30 bricht zum nächsten Angriff auf


Technische Daten
Baunummer: LZ 62
Typ: R
Länge: 198 m
Durchmesser: 23,9 m
Gas Volumen: 55.000 m³
Zellenanzahl: 19
Leergewicht: 36.186 kg
Nutzlast: 27.721 kg bis 32.500 kg.
Motorenanzahl: 6 x 6-Zylinder Maybachmotoren vom Typ HS.Lu
Motorleistung: 240 PS pro Motor
Geschwindigkeit: 27,8 m/s (100 – 103 Km/h)
Max. Reichweite: 7.500 km bei Marschfahrt mit 80 km/h
Max. Steigleistung: 5.300 m
Karrieredaten von L30
Jungfernfahrt: 28.05.1916
Eigentümer: Kaiserliche Marine

Kommandanten:
- Oberleutnant zur See v. Buttlar Brandenfels
- ab 11.01.1917 Oberleutnant z. See Friemel
- ab 20.04.1917 Oberleutnant z. See Boedecker

Bauwerft:
Friedrichshafen

Standorte:
- Nordholz
- ab 21.08.1916 Ahlhorn
- ab 05.04.1917 Tondern
- ab 02.05.1917 Seerappen bei Königsberg/Ostpreußen

Einsätze:
-31 Aufklärungen
-10 Angriffe auf England

Nach dem Krieg als Reparationsleistung in zerlegtem Zustand nach Belgien ausgeliefert, mangels einer geeigneten Halle demontiert. Teile heute im Musée de l'Air in Brüssel.